Sonntagsgruß

Liebe Gemeinde,

Brieffreundschaften sind etwas aus der Mode geraten. Wenn ich an meine Kinder- oder Jugendzeit denke, da gab es sie noch. Auch ich hatte meine Anschrift in einer Art „Adress-Börse“ hinterlegt. So konnte es geschehen, dass zwei völlig fremde Menschen miteinander in Kontakt kamen und sich austauschten. Auch persönliche Dinge wurden ins Wort gebracht, über die ich mit den Menschen in meiner Umgebung nicht gesprochen hätte. Fremdsein und Vertrautheit trafen sich in der Brieffreundschaft auf besondere Weise.

Auch heute noch habe ich eine Brieffreundin. Wir schreiben uns jede Woche, aber besuchen uns nie. Zwar haben wir schon wiederholt versucht, einen Termin für ein Treffen zu vereinbaren, aber es klappt einfach nicht.

Vielleicht ist es auch gut so, denn der Briefkontakt hat eine eigene Qualität. Ich kann meine Gedanken aufschreiben, ohne dass mir jemand ins Wort fällt. Und ich kann die Gedanken anderer Menschen in deren Briefen lesen, ohne sofort darauf reagieren zu müssen. Dadurch entsteht etwas, das scheinbar ebenfalls aus der Mode gekommen ist: Besonnenheit und Entschleunigung. Die wünsche ich Ihnen und mir für die neue Woche!

Ihr

Christian Fechtenkötter
Veröffentlicht: 02.09.2022




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