Impuls am Abend - Geboren um zu leben! - Ja, was denn?

Wir Menschen sind geboren, um zu leben. – Ja, genau! Das stimmt. Aber, wozu lebe ich? Diese Frage tauchte vergangene Tage wieder einmal neu bei mir auf.

Anlass sind die Exerzitien im Alltag „ICH BIN DA“, die vom Bistum Münster neu herausgegeben wurden. Eine Übung besteht darin, sich einen Text von Marianne Willamson laut vorzulesen und dann ein Wort auszuwählen, das einen anspricht. – Mein Wort aus dem Text: „Wir wurden geboren, um den Glanz Gottes, der in uns ist, offenkundig zu machen.“

Wozu lebe ich? Was soll durch mich, mein Leben in dieser Welt und Zeit geschehen? Als Christ, als geliebtes Kind Gottes legt der christliche Glaube mir eine schöne Sinnstiftung vor, wie Marianne Willamson sie in ihrem Text ausdrückt: Ich wurde geboren, um den Glanz Gottes, der in mir ist, offenkundig zu machen. – Wow, das ist mal was!

Vom Glanz Gottes (seinem Licht, seiner Herrlichkeit, seiner Liebe, seiner Güte, seiner Freundlichkeit) sprechen die Mystikerinnen und Mystiker immer wieder. So zum Beispiel auch Angelus Silesius: „Ich danke dir, du wahre Sonne, dass mir dein Glanz hat Licht gebracht; ich danke dir, du Himmelswonne, dass du mich froh und frei gemacht; ich danke dir, du güldener Mund, dass du mich machst gesund.“ (Gotteslob 358, 5) – Ohne Frage, etwas schwülstig formuliert. Es ist ein Text aus der Mitte des 17. Jhdts. –

Das güldene Seelenlicht, der göttliche Seelenfunken, der dem Menschen innewohnt, ist das Bild, das hier vielfach Verwendung findet. Mit diesem Bild wird beschrieben, dass Gott im Menschen selbst zugegen ist. – Gottes Glanz, der in mir ist, offenkundig machen. So, dass die Menschen es sehen und wahrnehmen können. – Eine schöne Aufgabe und Sinnstiftung für das Dasein des Menschen.

Nur: Es wirkt so, dass sich oftmals etwas Patina auf den Glanz gelegt hat. Das der Glanz Gottes nicht wirklich hervorscheinen kann. Aber dafür ist ja grade die Fastenzeit da. Wie manche Menschen einen Frühjahrsputz machen, kann ich die Oberfläche meiner Person abstauben, von Flecken und anderem freilegen, so dass der innere Glanz Gottes wieder besser zum Vorschein kommt.

Ich wünsche Ihnen geduldig, heiteres Putzen und dann viel Freude beim offenkundig Machen des Gottesglanzes, der in Ihnen ist.


Rafael van Straelen
Veröffentlicht: 26.02.2021




Um Ihnen ein angenehmes Online-Erlebnis zu ermöglichen, setzen wir auf unserer Webseite Cookies ein. Durch das Weitersurfen auf www.liebfrauen.de erklären Sie sich mit der Verwendung von Cookies einverstanden. Hier erfahren Sie alles zum Datenschutz