Impuls am Abend - Hinterher ist man immer klüger

In fast jeder Talkshow geht es zur Zeit um die Corona-Pandemie. Der Sinn von Lockerungen und Verschärfungen wird diskutiert, Versäumnisse und Fehler werden aufgelistet und Schuldige gesucht und zur Rede gestellt. Um daraus zu lernen ist das richtig. Aber vergessen sollte man nicht, dass man „hinterher immer klüger ist.“
 
„Hinterher ist man immer klüger“, das kann man auch auf einen Aspekt des Evangeliums vom Sonntag (Karnevalssonntag) beziehen (Mk 1,40-45). Der Evangelist Markus berichtet, dass Jesus einen Aussätzigen heilt. Dann gibt es ein rätselhaftes Verbot: Jesus befiehlt dem Geheilten streng: „Sieh, dass du niemandem etwas sagst.“ Vom Geheilten heißt es dann: „Der Mann aber ging weg und verkündete bei jeder Gelegenheit, was geschehen war“. Warum gebietet Jesus Schweigen? Warum hält sich der Geheilte nicht an das Verbot? Auch bei anderen Gelegenheiten verbietet Jesus von dem Erlebten zu sprechen. So bei der Auferweckung der toten Tochter des Synagogenvorstehers Jairus: „Doch er schärfte ihnen ein, niemand dürfe etwas davon erfahren“ (Mk 5,43).
 
Die Schweigegebote sind in den unmittelbaren Begegnungen Jesu mit den Geheilten sinnlos. Wenn ein Aussätziger rein wird und ein totes Mädchen wieder lebt, kann das doch jeder sehen und die Verbote sind wirkungslos. Weshalb berichtet Markus dann doch von dem Schweigegebot Jesu? Ich vermute, dass es Markus um die Menschen geht, die das Evangelium lesen und hören, also um uns.
 
Nach der Verklärung Jesu heißt es: „…gebot er ihnen, niemandem zu erzählen, was sie gesehen hatten, bis der Menschensohn von den Toten auferstanden sei“ (Mk 9,9). Das Schweigegebot gilt also nur bis zur Auferstehung Jesu von den Toten. Dann ist das Leben und Wirken Jesu vollendet. Diese Vollendung und Höhepunkt gehören aber unbedingt zum Verständnis von Person und Sendung dazu. Durch Passion und Auferstehung Jesu erscheint alles in österlichem Licht. Was vorher geschehen ist, ist nur vorläufiger Anfang der Offenbarung Jesu. Deshalb gilt: „hinterher ist man immer klüger“.
 
Von Ostern her erscheint das Vorige in neuem Licht und ist erst dann verständlich. Deshalb sollen wir auch dann erst darüber reden und vorher davon schweigen. Das Ostergeheimnis bestimmt dann aber alles:
Ohne Glauben an die Auferstehung gäbe es kein Neues Testament.
Ohne Glauben an die Auferstehung gäbe es keine Christen und keine Kirche.
Ohne Glauben an die Auferstehung würden wir nicht Eucharistie feiern.
Ohne Glauben an die Auferstehung gäbe es keine österliche Vorbereitungszeit.
Ohne die Auferstehung Jesu gäbe es für uns keine Auferstehung.
Weil Jesus aber auferweckt worden ist, gibt es „Licht am Ende des Tunnels“ und  werden wir auferstehen und „hinterher klüger sein“. Darauf freue ich mich.
 
In diesem Sinne wünsche ich Ihnen eine fröhliche Fastenzeit,
 
Ihr
Hans Döink
 
Veröffentlicht: 18.02.2021




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