Impuls am Abend – Da krieg ich sooon Hals

Manchmal hat der Mensch schwer zu schlucken. Ein hartes Urteil trifft ihn stärker als gedacht; ein beleidigender Kommentar verletzt ihn tiefer als vermutet; eine hässliche Bemerkung kränkt ihn mehr als gewollt. – So hat er schwer zu schlucken an dem, was ihm widerfährt. Ein anderes Mal steht dem Menschen das Wasser bis zum Hals, nicht allein beim Schwimmen, sondern vielmehr im übertragenen Sinn. Die an ihn gestellten Erwartungen und die zu erledigenden Aufgaben türmen sich und  geben den Anschein, als wollten sie wie Wellen über ihn zusammenschlagen. Da muss nur noch einer kommen und den Menschen ärgern oder zumindest in Wut versetzen, dann bekommt er „sooon Hals“!
 
Heute nehme ich den Hals in Blick. Den heute ist in der katholischen Kirche der Gedenktag des Hl. Blasius. Er war von Beruf Arzt und später Bischof von Sebaste, der Hauptstadt der damaligen römischen Provinz Armenien. Er ist u. a. der Patron der Hals-Nasen-Ohren-Ärzte und gegen Halskrankheiten. Seit dem 16. Jahrhundert gibt es die Tradition des Blasiussegens. Mit zwei brennenden gekreuzten Kerzen, die auf Höhe des Halses gehalten werden, wird dem Menschen der Segen Gottes zugesprochen. Im Segensgebet heißt es:
Auf die Fürsprache des heiligen Blasius bewahre dich der Herr vor Halskrankheiten und allem Bösen…“
 
Diese Form des Segens und die Zuständigkeit als Patron gegen Halskrankheiten geht zurück auf eine Legende über den Hl. Blasius: Blasius soll einem Jungen, der sich an einer Fischgräte verschluckt hatte und zu ersticken drohte, geheilt und vor dem Tod gerettet haben.
 
„Da krieg ich sooon Hals.“ Auch heutzutage haben Menschen aufgrund ihrer Lebenssituation manchmal schwer zu schlucken. Und groß ist die Sehnsucht nach einer heilen Welt, nach einem heilvollen Leben, nach Heilsein.
 
Im Johannesevangelium wird eine eindrucksvolle Begegnung Jesu mit einem kranken Menschen erzählt. Dieser liegt gelähmt bei den Teichen von Betesda. In den Teichen ist ein heilendes Wasser, das ab und an seine heilende Wirkung im Aufwallen zeigt. Wenn der kranke Mensch dann ins Wasser steigt, wird er geheilt. Dies gilt aber jeweils nur dem ersten Menschen, der ins Wasser steigt. Der Gelähmte liegt dort seit 38 Jahren, hat es aber bei allen Versuchen nie geschafft, als erster ins Wasser zu gelangen. (Was für ein vergebliches Bemühen!) In der Begegnung mit Jesus wird ihm nun die ersehnte Heilung und das Heilsein zuteil.
 
Wenn ich heute Abend beim Lesen dieses Impulses innehalte, kann ich folgenden Fragen nachgehen:
Woran habe ich mit Blick auf mein Leben schwer dran zu schlucken?
Was bleibt mir schon mal im Hals stecken?
Wo sehne ich mich im Leben nach Heilsein?
 
Einen lichtvollen und heilsamen Abend wünscht Ihnen
 
Ihr
 
Rafael van Straelen
 
Veröffentlicht: 01.02.2021




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