Impuls am Abend - Wenn das "nicht" wegfällt...

Im Vorbeifahren, im letzten Moment sah ich die Reklame am Straßenrand. Keine Bilder, keine Gesichter, keine besonderen Hingucker. Zwei Sätze, die ich nicht nur las, sondern die mein Herz und meinen Verstand in Bewegung setzten. Botschaften, die wegen ihrer doppelten und gegensätzlichen Aussage mich doch sehr zum Nachdenken anregten.
Die Reklame: Zwei Sätze, in denen das nicht durchgestrichen war.
 
Ich kann nicht mehr!
Du schaffst das nicht!
 
Ich kann nicht mehr! – Wie viele Menschen mag dieser Ausspruch in diesen Tagen und Wochen über die Lippen kommen: Überlastetes und entkräftetes Pflegepersonal; Erzieherinnen und Lehrer, die Notbetreuung und Homeschooling als anstrengend erleben; Menschen, die das Kontaktverbot mehr belastet als das es ihnen hilfreich erscheint; Menschen, die angesichts der angespannten Situation genervt, gefrustet, müde, kraftlos sind…
 
Ich kann nicht mehr! – Und das nicht durchgestrichen. – Ich kann mehr! Da ist noch mehr möglich. Da steckt noch Potential in mir drin. Da geht noch was! Ich gebe nicht auf! Im Gegenteil: Ich kann mehr auf mich achten, die Regeln beachten, mich einschränken, für andere mitsorgen. Auch wenn es jetzt noch mal stärkere Einschränkungen geben wird, ich kann mehr! Wenn das nicht wegfällt wird aus der negativen Aussage ein positives, hoffnungsvolles Wort.
 
„Das schaffst du nicht! Das kannst du nicht! Lass das sein!“ Solche Hinweise sind für den Menschen wenig förderlich; erst recht für heranwachsende Kinder und Jugendliche, wie aus der Pädagogik bekannt ist. Der Mensch wird gefördert durch Anforderung und Ermutigung, durch Vertrauen und Zutrauen.
 
Du schaffst das nicht! Du wirst untergehen in der Pandemie. Du wirst das Alleinsein nicht aushalten. Du wirst die Umstellungen jetzt im Beruf nicht schaffen. Du schaffst das nicht!
 
Du schaffst das nicht! – Und jetzt das nicht durchgestrichen: Du schaffst das! Du wirst auch die Verlängerung des Lockdown schaffen. Du wirst das Leben mit den Einschränkungen schaffen. Du wirst den Verzicht auf … schaffen. Du schaffst das! Wenn das nicht wegfällt, wird aus der entmutigenden Prognose eine stärkende Ermutigung des Zutrauens.
 
„Ich kann mehr! – Du schaffst das!“
 
Das möge Ihnen in Herz und Seele geschrieben sein. Das wünsche ich Ihnen sehr!
 
Ihr
 
Rafael van Straelen
 
Veröffentlicht: 18.01.2021




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