Impuls am Abend - Musste Jesus am Kreuz sterben?

Am vergangenen Dienstag (19. Mai) war das Seelsorgeteam im Pfarrgarten zum theologischen Gespräch zusammen – auf Abstand. Es kam die Frage auf: Musste Jesus am Kreuz sterben, um uns zu erlösen? Wir bekennen doch, dass Jesus uns durch sein Leiden und seinen Tod am Kreuz erlöst hat.

War zur Erlösung sein Kreuzestod notwendig? Musste durch das Blut des Sohnes der Vater versöhnt werden? Ein solches Gottesbild ist nicht das unsrige. Es war auch nicht das Gottesbild Jesu. Er hat nie davon gesprochen, dass der Vater Sühne und Blut gefordert hat für die Sünden der Menschen. Jesus hat Gott als barmherzigen Vater verkündet, der seinen weggelaufenen Sohn ohne Gegenleistung in die Arme schließt.

Weshalb ist Jesus aber dann am Kreuz gestorben? Wir haben auf das Leben Jesus geschaut und uns gefragt, wozu er sich gesandt fühlte, was der Inhalt seines Lebens war. Er hat durch Worte und Zeichen Gott als Vater verkündigt, der die Menschen unbedingt liebt und will, dass sie Leben in Fülle haben. Aber diese Botschaft wollten nicht alle wahrhaben. Aber trotz aller Widerstände und Drohungen hat Jesus konsequent für einen solchen Gott Zeugnis abgelegt. Dafür ist er auch dem Tod am Kreuz nicht ausgewichen. Wegen der Bosheit der Menschen ist Jesus am Kreuz gestorben und nicht weil Gott Sühne und Opfer verlangt hätte. Auch der Tod konnte die Botschaft der Liebe nicht zerstören, gegen die Liebe ist er machtlos. Die Liebe hat ihn besiegt. Die Liebe ist stärker als der Tod. Durch diese Liebe sind wir erlöst.

Am Rande des Gesprächs kam die Frage auf, was denn mit Jesus geschehen wäre, wenn die Menschen seine Botschaft angenommen hätten. Er wäre wohl eines natürlichen Todes gestorben – er war ja wahrer Mensch.

Weil die für das Gespräch vorgesehene Zeit zu Ende war, haben wir nicht mehr über die Auferstehung Jesu gesprochen. Das Folgende geht also allein auf meine Kappe. - Die Frage nach der Auferstehung ist nicht zwingend mit Jesu Tod am Kreuz verbunden. Sie stellt sich unabhängig von der Todesart - bei Jesus und bei uns. Ferner sind Tod und Auferstehung nicht einfach verbunden. In der Verkündigung und im Bekenntnis fassen wir sie zusammen. Das kann den Eindruck erwecken, als sei die Auferstehung eine logische Folge und Weiterführung des Todes. Das stimmt überhaupt nicht. Sie sind verschieden wie „Himmel und Erde“. Der Tod ist das Ende des menschlichen Lebens. Die Auferweckung ist eine neue Schöpfungstat Gottes. Die unbedingte Liebe Gottes, aus der Jesus gelebt hat und die er bezeugt hat, wird durch den Tod nicht ausgelöscht. Sie ist stärker als der Tod. Sie erweckt Jesus und uns zu neuem Leben in Fülle.

Das ist das zentrale Geheimnis unseres Glaubens.

Ich wünsche Ihnen, dass Sie sich im Leben und im Tod in dieser Liebe geborgen wissen können,
Ihr Hans Döink

„Im Kreuz ist Heil, im Kreuz ist Leben, im Kreuz ist Hoffnung.“

„Wer sich will freun von Herzen der heilgen Gnadenzeit,
der geh zum heilgen Kreuze, das uns gebracht die Freud,
die Freud in Jesu Christ, der nun erstanden ist.

Am Kreuze starb das Leben, lag tot in Grabesgrund;
So wird der Tod bezwungen, so wird die Welt gesund,
gesund in Jesu Christ, der nun erstanden ist.

Erstanden ist die Sonne, die Licht der Erde bringt;
Erschlossen sind fünf Brunnen, daraus das Heil entspringt,
entspringt in Jesu Christ, der nun erstanden ist.“
(Gotteslob 782)

 
Veröffentlicht: 22.05.2020




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