Impuls am Abend

Leben wie in der Arche

Liebe Gemeinde!

Vierzig Tage dauerte die große Flut auf der Erde. Vierzig Tage waren Noah und seine Frau Haikal mit ihrer Familie und allen Tieren in der Arche eingeschlossen. Nach vierzig Tagen öffnete Noah das Fenster, das er gemacht hatte, und ließ einen Raben raus. Später eine Taube, die zuerst noch keinen Halt wegen des vielen Wassers fand. Noah wartete weitere sieben Tage, dann ließ er erneut die Taube heraus. Sie kam zurück und sieh da: Sie hatte einen frischen Olivenzweig in ihrem Schnabel. Nach weiteren sieben Tagen ließ Noah erneut die Taube fliegen; da kam sie nicht mehr zurück.

Seit Sonntag, 15. März, und dem Verbot von Versammlungen und öffentlichen Gottesdiensten sind heute vierzig Tage vergangen. Wegen der Kontaktsperre hat sich für die meisten von uns das Leben hinter verschlossenen Türen, zurückgezogen in den Wohnungen und Häusern abgespielt. Leben wie in der Arche. Mit all den Tieren und der großen Familie Noahs muss es in der Arche doch auch manches Mal recht turbulent, zumindest spannungsreich zugegangen sein. So mag es bei manchen in dieser herausfordernden Zeit wohl auch sein.

Für Noah, seine Familie und die Tiere hat die Rückkehr zum Leben auf der Erde nach der großen Flut noch manche Zeit in Anspruch genommen. Allein die Testreihe mit dem Raben und der Taube hat einige Wochen gedauert. Was Noah und den Seinen während der Zeit der großen Flut immer wieder Hoffnung gegeben hat ist Gott. In der Sintfluterzählung heißt es immer wieder: Und Gott dachte an Noah und seine Familie und die Tiere in der Arche. Gott denkt an den Menschen. Gott vergisst den Menschen nicht, auch in Zeiten großer Bedrohung oder Gefahr. Und dann ist da noch die Taube mit dem frischen Olivenzweig. Das Zeichen von Leben und Hoffnung; ausgerichtet auf Zukunft hin!

Die biblische Überlieferung ist mit der Angabe der Tage und Zeiten nie ganz genau. Im heutigen Text der Bibel sind viele verschiedene Erzählüberlieferungen zusammengeflossen. An anderer Stelle in der Sintfluterzählung ist zu lesen, dass die Flut hundertfünfzig Tage dauerte. Das sind fünf Monate. Nun ist die Sintfluterzählung nicht eins zu eins mit der Corona-Pandemie gleichzusetzen. Aber weder die Sintflut noch diese Pandemie sind Strafe Gottes. Die Geschichte von der Flut und Noah erzählt genau das Gegenteil. Gott straft nicht mit dem Tod, sondern in Lebens- bzw. Todesgefahr wird Gott Leben retten. 

Noah, seine Frau Haikal, seine Familie brauchten Geduld und Ausdauer, um die Flut zu überstehen. Nach der Flut hatte sich ihr Leben auf der Erde verändert. ES ging anders weiter. Aber unter der Zusage Gottes, für das Leben einzutreten unter dem Zeichen des Regenbogens. Ich wünsche allen für die kommende Zeit, die noch sehr von der Corona-Pandemie geprägt sein wird, Geduld, Ausdauer und Gottvertrauen.

Rafael van Straelen
Veröffentlicht: 21.04.2020