Berichte über unsere Ugandatätigkeiten aus dem Jahre 2003

 

Ugandaausschuss 15.09.03
Partnergemeinde Bigada in Uganda
Wie inzwischen mehrfach berichtet, wurde aus Spenden von Familien und Einzelpersonen unserer Pfarrgemeinde inzwischen u.a. der Wassertank in unserer Pfarrgemeinde Bigada / Uganda errichtet. Außer den zahlreichen Schulpatenschaften, die Mitglieder unserer Gemeinde regelmäßig durch ihre Spenden übernommen haben, ist auch weiterhin Unterstützung für unsere Schwestern und Brüder in Bigada erforderlich. So erspart der Wassertank nun zwar kilometerlange Wege der Wasserbeschaffung, hilfreich wäre aber z.B. noch ein Rohr- und Leitungssystem, durch welches das Wasser auch hochgepumpt und weitergeleitet werden kann. Des weiteren wurde beim letzten Besuch festgestellt, dass der Weg bis zur nächsten ärztlichen Versorgung sehr weit und die Wartezeit sehr lang ist. Daher wurde beschlossen, in Bigada selbst eine „Dispensery“ –eine zeitweise von Ärzten besetzte Krankenstation- zu bauen und einzurichten. Die Ordensschwestern in Bigada haben ihre Mitarbeit bereits zugesagt.
Zur Klärung der Sachlage sowie zur Überprüfung der bislang geförderten Maßnahmen werden sich vom 28. September bis zum 13. Oktober 2003 wiederum Mitglieder des Ugandaausschusses in Bigada direkt an Ort und Stelle informieren. Unser Pastor wird begleitet von Herrn Heinz Rabert, Herrn Volker Schweers und Frau Hülsmann-Mager. Da bereits viele Sachspenden im Pfarrbüro vorliegen, das Gepäckvolumen jedoch durch die Fluggesellschaft eingeschränkt wird, bitten wir die Spendenwilligen lieber um Geldspenden. Diese können im Pfarrbüro abgegeben werden oder auf das Konto 101 311 bei der Stadtsparkasse Bocholt BLZ 428 500 35 mit dem Vermerk „Uganda-Hilfe“ eingezahlt werden. Wer eine Spendenquittung benötigt, möge sich bitte im Pfarrbüro melden. Im Anschluss der Reise erfolgt selbstverständlich wieder ein ausführlicher Bericht.
für den Ugandaausschuss                                Jutta Hülsmann-Mager
 

Neuigkeiten aus Uganda Oktober 2003
Die 4 „Uganda-Botschafter“ von Herz-Jesu sind wieder gesund heimgekehrt! Wie erwartet war auch diese Reise in unsere Partnergemeinde Bigada mit ihren 25 Untergemeinden ein abenteuerliches, erfolgreiches und sehr emotionsreiches Unternehmen.
Bigada selbst ist ein Dorf, bestehend aus der Kirche, dem Pfarrhaus mit Nebengebäuden und Stallungen, dem Schwesternhaus und seit letztem Jahr mit dem neuen Wassertank. In ca. 500 m Entfernung stehen die Schulgebäude für die „primary“- und „secondary-schoo“ (Grund- und weiterführende Schule) sowie ein Wohngebäude für die Lehrer. Die einzelnen Wohnhäuser der Bevölkerung (inzwischen fast alle aus Ziegelsteinen gemauert und ungefähr so groß wie bei uns eine Garage) stehen in der Umgebung verteilt inmitten der Bananenfelder –außerdem gibt es auch runde Lehmhütten mit Strohdach.
Wie beim letzten Besuch war der Empfang in Bigada wieder sehr beeindruckend: Männer, Frauen, Alte und Junge hatten sich versammelt, um uns mit Musik, Gesang und Tanz zu begrüßen! Überall gab es ein herzliches Willkommen. Nicht nur wir wurden wieder erkannt, sondern auch wir entdeckten bekannte Gesichter und Plätze. In einigen Untergemeinden machten wir „Kontrollbesuche“, aber nicht nur, um zu sehen, wie die Unterstützung der Pfarrgemeinde Herz-Jesu umgesetzt worden ist, sondern auch, um an frühere persönliche Begegnungen anzuknüpfen.
In Bigada konnten wir uns vom Nutzen des fertigen Wassertanks überzeugen, wenn auch die Vorbereitungen für fließendes Wasser in den einzelnen Gebäuden erst noch anlaufen. Mussten wir beim letzten Besuch noch um jeden Wasserkanister nachfragen, so war in diesem Jahr der Kanister jeden Morgen wieder aufgefüllt. Wir sahen, wie die Mädchen in ihren Waschschüsseln neben dem Wassertank die Wäsche wuschen oder wie sich ein kleiner Junge direkt aus dem Wassertank mit der Schöpfkanne Wasser in den Mund goss –als Filter nahm er einfach den Kragen seines Oberhemdes, den er sich vor den Mund hielt!
Der geplante Hochtank, von dem aus das Wasser durch Rohrleitungen in die Häuser geleitet werden soll, konnte noch nicht in Auftrag gegeben werden, weil zunächst technisch abgeklärt werden muss, welche Wassermenge für die geplante Dispensery (kleine Krankenstation) benötigt wird. Ziel ist es, durch Wasserleitungen das Priesterhaus, das Schwesternhaus und die Dispensery mit dem dann fließenden Wasser aus dem Untergrundtank zu versorgen.
Oft wird gefragt: wie lebt man denn dort ohne Wasser, wie sind die sanitären und hygienischen Verhältnisse dort? Auch in Bigada kann kein Mensch ganz ohne Wasser leben, es musste bislang aber immer aus bis zu 25 km entfernten Brunnen oder Wasserstellen in Kanistern geholt werden! Heute wird das Regenwasser der drei großen Gebäude in Bigada im Untergrundtank gesammelt und mit einer Gießkanne herausgeschöpft. Will man sich waschen, gießt man es in eine Waschschüssel oder direkt über den Kopf – entsprechende Duschzellen sind außerhalb der Gebäude und teilweise im Pfarrhaus vorhanden, es fehlen aber noch die Rohrleitungen, die das Wasser vom Tank bis in die Häuser leiten. Für uns Europäer wurde übrigens sogar das Waschwasser vorher abgekocht, und zum Zähneputzen gab es Mineralwasser!
Ähnlich ist es mit den Toiletten: vielleicht kennt ja mancher noch die Plumpsklos von früher, als es auch in Bocholt noch nicht in allen Häusern fließendes Wasser gab? Allerdings gibt’s in Bigada Nichts, auf das man sich setzen könnte, die Toilette ist nur ein ummauertes Loch im Boden.
 Von 25 Unterpfarreien unserer Schwestergemeinde Bigada konnten wir 11 Unterpfarreien besucht, die meisten davon zum ersten Mal. Die weitesten Unterpfarreien liegen zwar „nur“ 40 km von Bigada entfernt, wegen der landesüblichen Straßen braucht man aber - je nach Wetterlage - für diese Entfernung bis zu 5 Stunden(!) - eine Katechetin erzählte, sie benötige zu Fuß von ihrer Unterpfarrei bis Bigada bis zu 10 Stunden! Nach einem Regentag waren die „Straßen“ so matschig, dass der uns begleitende Pick-up plötzlich vom Weg abkam und im Graben fest saß! Nur mit vereinten Anstrengungen konnte der Wagen wieder auf den Weg geschoben werden, nicht ohne dass gut sichtbare Spuren auf den Textilien der Helfer zurückblieben.
Pastor Weidemann, Generalvikar Monsignore Kato und Father Venantius Kuvumbi zelebrierten -wie fast jeden Tag- gemeinsam anlässlich unseres Besuches und zur Einweihung der Kirche und des von uns mitgebrachten Kreuzes (aus einer alten Kirchenbank von Herz-Jesu geschnitzt!) erstmals in der neu errichteten Kirche von Bulanga eine Messe. Beim letzten Besuch fehlte noch das Dach der Kirche und wir feierten die Messe draußen unter einem Dach aus Bananenbaumblättern, beim vorletzten Besuch gab es nur eine Schulklasse als Raum für eine Messfeier, nun endlich ist die Kirche fertig!. So war also der Erfolg der Hilfe aus unserer Pfarrgemeinde nicht nur konkret anzufassen sondern auch zu erleben, denn die Kirche war so voll, dass sich die Kinder direkt vor dem Altar in Reihen stehend drängten!
Es gab auch eine kleine Enttäuschung, die uns jedoch „marktpolitisch“ erklärt wurde: Verputz- und Anstricharbeiten in einer Kirche, die beim letzten Besuch finanziell unterstützt worden waren, wurden noch nicht durchgeführt, weil auf ein „günstigeres“, preiswertes Angebot gewartet wurde! Das zeigt aber, dass auch in Uganda Angebote und Preise verglichen werden und sparsam mit dem Geld umgegangen wird! Spätestens bis zum nächsten Besuch sollen nun diese Arbeiten ausgeführt worden sein. Die Ordensschwestern in Bigada, deren Haus zwar zwischenzeitlich fertig gestellt war, die jedoch keine Möbel besaßen, hatten auch gespart und sich nur neue Betten machen lassen. Auf einen Ess- und einen Couchtisch hatten sie bislang verzichtet. So konnten wir diese notwendigen Tisch in Auftrag geben
Auch in diesem Jahr sollten weitere Unterpfarreien mit einem Fahrrad versorgt werden, weil die Wege nach Bigada meistens sehr weit und unwegsam sind. Da das Rad hier aber auch als Transportmittel dient, mussten besonders stabile Modelle ausgesucht werden. Das Damenrad für die Schwestern in Bigada wurde sogar extra für uns zusammengebaut, weil dort bislang fast nur Männer mit dem Rad fahren.
Wie wichtig die Hilfe für unsere Partnergemeinde Bigada auch vom Bischof Kaggwa in Masaka angesehen wird, zeigt sich dadurch, dass er uns zum Gartenfest sowie zur Messe in seine Hauskapelle einlud und intensiv mit uns die Probleme besprach, die insbesondere in Bigada und den Unterpfarreien anfallen. Nach Besichtigung der nächstliegenden Krankenstation und ausführlichen Gesprächen mit dem Generalvikar und dem Bischof wurden wir davon überzeugt, eine richtige Entscheidung getroffen zu haben, als wir den Bau einer Krankenstation in Bigada in Auftrag gaben. Durch den Bischof sowie die in Bigada ansässigen Bwanda-Schwestern wurde Personal zugesagt, durch Spenden der Mitglieder der Pfarre Herz-Jesu können die baulichen Anlagen mitfinanziert werden. Die für Bigada geplante Krankenstation soll zwar nicht so groß wie dieses Krankenhaus werden, jedoch wäre eine Zusammenarbeit –schon wegen des ärztlichen Personals nützlich. Sobald die Pläne überarbeitet sind, kann mit dem Bau begonnen werden. Dann wäre nicht nur eine Erstversorgung möglich sondern könnten z.B. die werdenden Mütter ihre Kinder dort zur Welt bringen.
Bischof Jean-Baptist Kaggwa, Generalvikar Monsignore Joseph Kato, der Pastor von Bigada, Father Venantius Kivumbi sowie alle Mitglieder der Pfarrgemeinde Bigada und der 25 Unterpfarreien danken den Gemeindemitgliedern der Schwesterpfarrei Herz-Jesu in Bocholt recht herzlich für ihre Unterstützung. Ein jedes Mitglied aus unserer Pfarre ist aufgerufen zu einem Besuch, jeder ist herzlich willkommen, weil man sich am Besten selbst vor Ort von der Situation überzeugen kann!
Für den Ugandaausschuss:                              Jutta Hülsmann-Mager