Karnevalspredigt 2001 in Liebfrauen

(Copyright: Pfr. Bernhard Lütkemöller)

Schrifttexte (zum Verständnis nötig!):
1. Lesung: Sir 27, 4 - 7
2. Lesung: 1 Kor 15, 54 - 58
Evangelium: Lk 6, 39 - 45


Als Lauheit, Unglaub’ selten waren,
da wurden wir Pfarrei, fürwahr.
Das war genau vor hundert Jahren!
Dies Jahr ist Jubiläumsjahr!

Doch ist Liebfrau’n ‘ne alte Dame,
viel älter als im Ausweis steht:
seit dreizehnhundert keimt der Same,
vielleicht war’s auch der Geist, der weht!

Auf jeden Fall, vor langen Zeiten,
da sollte schon - weil’s nötig war;
Klein-Bocholt tät sich nämlich weiten -
geteilt sein die Sankt-Georgs-Schar.

Doch wie so oft in jenen Tagen
- und nicht nur damals, nein auch heut’ -
da tat man’s schließlich doch nicht wagen,
Besitz zu teilen man sich scheut.

Als aus dem Dorfe ward ‘ne Stadt,
so etwa achtzehnhundertfünfzig -
die viele Webereien hat,
da geht man in sich und besinnt sich,

und denkt wohl an die alten Pläne
dass endlich nun die Paoterskerk
als Pfarrgemeinde-Kirch sich wähne.
So ging am Ende man an’s Werk.

Und schließlich, Anfang des Jahrhunderts,
da kommt aus Münster dann der Brief,
in dem der Bischof, ja, wen wundert’s,
den ersten Pfarrer dann berief.

Man gründet, baut und weitet aus
für den gesamten Norden, Osten
das alte, kleine Gotteshaus -
und läßt es sich ‘ne Menge kosten.

Doch kaum war diese Tat vollbracht,
da kam der Krieg, die Inflation.
die Nazis kamen an die Macht,
der zweite Krieg, ihr wißt es schon,

der brachte für dies Gotteshaus
an einem Wochentag im März
mit Bomben, grellem Brand das Aus.
Und vielen Menschen brach das Herz.

Nach Wiederaufbau, Renovierung
kam dreiundsechzig das Konzil,
ein neuer Pfarrer als Regierung
und bald schon ändert sich hier viel.

Der alte Hochaltar kommt auf der Stelle
zum Ort, wo er schon früher war,
das heißt, er kommt in die Kapelle,
‘ne Insel wird zum Hauptaltar.

Im Rückblick könn’ wir heut’ nicht sagen:
„Dies war der Weisheit letzter Schluß!“
Tät die Gemeinde man befragen,
hätt’ man gespürt gar viel Verdruß!

Doch kann man leicht etwas beklagen,
was damals schlicht nicht üblich war,
auch in ganz viel and’ren Fragen
war Mitbestimmung wirklich rar.

So sollten wir nicht vorschnell richten,
was damals hier geschehen ist,
denn selbst aus schlimmeren Geschichten
da kann man lernen, wie ihr wißt.

Man prüfe mit dem Sieb der Wahrheit,
der Nützlichkeit und Freude auch,
nur dann bekommt man etwas Klarheit
und urteilt nicht nur aus dem Bauch.

Wie bei ‘nem Ofen ist die Hitze,
entscheidend für die Qualität,
so ist nur der Mensch wirklich Spitze,
der jede Prüfung übersteht.

„Sei kritisch!“sagt uns Jesus Sirach!
„Vertrau nicht stets dem ersten Blick!
Nur wer im Herzen wie im Geist wach,
trägt bei zu aller Menschen Glück!“

Die Frage, wie wir Glück erlangen,
beschäftigt auch Sankt Paulus sehr.
Er will zum Himmel nur gelangen,
dass Christi Reich werd’ mehr und mehr!

Doch trifft er stets beim Überlegen,
die Grenze, die gebietet Halt.
Die Sterblichkeit auf allen Wegen
ereilt uns später oder bald.

Wir können nie aus eig’ner Kraft
das unvergänglich’ Leben erben,
könn’ nur für den, der dieses schafft,
für Christus, den Messias, werben!

Dadurch, dass er den Tod besiegt,
ist unser Tod auch überwunden.
So dass in uns’rer Hand es liegt,
ob wir ans Irdische gebunden.

Wer standhaft ist, nicht zu erschüttern,
dem Werk des Herrn leiht seine Kraft,
der braucht am Ende nicht zu zittern,
dass er den Übergang auch schafft.

Der wird den Sieg mit Christus erben,
des Todes Stachel trifft ihn nicht,
da mag ihn Welt und Geld umwerben,
die Dunkelheit wird ihm zum Licht.

Der Glaube gibt ihm Halt im Leben
was immer dann auch kommen mag.
Bei Sturm ist ihm der Fels gegeben,
der schützt sein Haus vor jeder Plag.

Weil Jesus uns verheißen hat,
dass Gottes Reich schon hier beginnt,
wo Liebe ist in Wort und Tat,
die nirgends ihre Grenzen find’t,

drum schließt sie selbst die Feinde ein.
Wir soll’n einander Gutes tun,
soll’n beten, leihen und verzeih’n,
dann wird der Friede auf uns ruh’n.

Doch, wer dies nur als Theorie,
nicht praktisch auch für sich empfinge,
der sieht des Himmels Freuden nie,
weil letztlich nichts ihm wohl gelinge.

Der ist so super selbstgerecht
dass er bei andern jeden Makel
- und sei er noch so klein - als schlecht
benennt, und auch als Groß-Debakel.

Das sagt bei Lukas ins Gesicht
der Meister Jesus seinen Jüngern,
wenn er von blinden Führern spricht,
die sich um and’re Blinde kümmern.

Am Ende fallen beide rein,
der Führer und auch die Geführten.
Kein Mensch kann ohne Fehler sein,
weil - was auch immer sie berührten -

es weist auf eig’ne Fehler hin,
auch wenn man immer sie verschwiege.
Bei jedem steckt im Auge drin
der Balken, sprich Gewalt und Lüge.

So kann man an’dre schlecht befrei’n,
wenn selber man steckt tief im Sumpfe,
sagt JA zu sich, zu andern NEIN.
Das ist Moral, ‘ne falsche, dumpfe!

Denn, was im eig’nen Innern ist,
beim Menschen ist das wie beim Baume,
das kommt nach Außen - wie ihr wißt -
nicht nur des nachts in jedem Traume.

Beim Baum kann man die Früchte seh’n,
die guten und auch wohl die schlechten,
kann unterscheiden, wählen geh’n:
„Die sind verdorben, dies die rechten!“

Beim Menschen ist es so das Herz,
das drängt nach außen, drängt zum Reden,
doch wenn die Mitte himmelwärts,
dann ist auch lauter unser Streben.

Wovon das Herz ist ganz erfüllt,
nur davon könn’n wir lauter sprechen.
Nur das, was innerlich gefühlt,
das hat Bestand auf Biegen, Brechen!

Und wenn im Herz die Freude wohnt,
nicht nur in diesen tollen Tagen,
dann werden alle wir belohnt
und können wohl ein Tänzchen wagen.

Denn aller Freude tiefster Grund
- zumindest wenn sie nicht gespielt ist-
ist Gottes und der Menschen Bund,
dass stets der Himmel unser Ziel ist.

Drum wünsch ich euch, dass eure Freud
von Herzen kommt und darauf bau’,
dass ihr erlöst und alle Leut’!
Darauf ein AMEN und HELAU!