Sonntagsgruß

Am 7. Mai stand ich zum sonntäglichen Angelus-Gebet auf dem Petersplatz in Rom und konnte nicht anders, als diesem Papst, wie die vielen anderen Menschen heftig und freudig zuzuwinken. Sein freundlich schlichtes „Buon giornio"/"GutenTag" zu Beginn öffnete sofort die Herzen der Menschen: Fürchtet euch nicht! Tags zuvor hatte ich zufällig als Wechselgeld eine Euromünze mit dem Papst-Porträt in der Hand.
Auch in Bocholt schaue ich mir manchmal ganz gerne die Porträts auf den Geldstücken an und freue mich immer wieder darüber, wie „international" wir durch dieses Zahlungsmittel geworden sind; aber das Gesicht des Hl. Vaters war noch nie dabei. Sonntagmittags schließlich auf dem Petersplatz erinnerte ich mich dann auf einmal an die kurze knappe Meldung in den Medien Anfang diesen Jahres: „Kein Papst-Gesicht mehr dem Mammon." Franziskus hat persönlich entschieden, das sein Gesicht nicht mehr auf den vatikanischen Geldstücken erscheinen darf. Warum? Der Papst bleibt seiner seelsorglichen Linie treu. Er steht auf Seiten der Armen. Immer wieder bezieht er gegen einen ausbeuterischen Raubtier-Kapitalismus in aller Welt klar und deutlich Stellung.
Die Kluft zwischen arm und reich wird ständig größer. Wer spricht
für die Armen?
Geld ist notwendig, das weiß auch der Hl. Vater, aber es muss den Menschen dienen und darf sie nicht beherrschen. Für Franziskus ist nicht die Prägung auf einer Münze, sondern die Prägung des Herzens wichtig. Herz und Hand besonders für die zu öffnen, die nicht am Kapitalmarkt teilnehmen können, ist eines seiner großen seelsorglichen Anliegen. Und auch wir Christen in Bocholt wissen hoffentlich, worauf es ankommt: der Mensch hat immer Vorrang vor dem Kapital! Sein Wert bestimmt sich nicht durch Geld und Gut, sondern ausschließlich von Gott her, der jeden liebt, noch vor jeder Leistung und auch noch nach jeder Schuld.
Einen gesegneten Sonntag und eine gute Woche wünscht Ihnen
Pastor Gerhard Wietholt