Sonntagsgruß

Letzten Sonntag war ich wieder bei der Großen Kreuztracht in Coesfeld dabei. Auch ohne eine offizielle Einladung, die ich als ehem. Coesfelder Pastor jährlich bekomme, würde ich hingehen und das Kreuz mittragen. Mindestens zehn Personen braucht es, um das über drei Meter hohe und über zwei Meter breite Gabelkreuz aufrecht stehend auf einem eichenen Holzbock besonderer Anfertigung zwölf Kilometer über den 1659 von Bischof Christoph Bernhard von Galen speziell angelegten Großen Kreuzweg zu tragen. Es ist schwer, man spürt wirklich etwas, es kostet einen Kraft; gerade das zieht insbesondere die Männer an. Nicht reden, sondern miteinander anpacken, sich der Größe nach passend einreihen, in gleichem Schritt gehen, aufeinander achten, sich abwechseln, wenn einer nicht mehr kann, damit der Weg mit dem Kreuz überhaupt erst möglich wird. Das Tun als Ausdruck eines tiefen Glaubens, nicht das Reden darüber. Die meisten tragen immer auch stellvertretend für jemanden, der schwer an seinem Lebenskreuz zu tragen hat. Es ist also kein sportlicher Event, sondern Fürbitte mit Körper, Geist und Seele, und das seit immerhin siebenhundert Jahren! Dieses Jahr habe ich noch einmal mitgetragen, sechzig gilt gewöhnlich als Grenze dafür. Und auch diesmal habe ich wie in den vergangenen zwanzig Jahren auf die an mich gestellte Frage, warum ich das tue –„mir das antue"- geantwortet: Ich trage das Kreuz, weil es mich trägt! Diese Erfahrung wünsche ich auch Ihnen für die Kreuzwege Ihres Lebens.
Einen gesegneten Sonntag und eine gute Woche wünscht Ihnen
Pastor Gerhard Wietholt