Steine gegen Scheine

VON CAROLA KORFF
Die ersten 100000 Euro an Spenden für die geplante Sanierung der Liebfrauenkirche sind gesammelt. Jetzt verkauft die Gemeinde auf dem Weihnachtsmarkt Teile einer Mauer aus dem Westgiebel. Schließlich fehlen noch 400000 Euro.

BOCHOLT „105263 Euro“ – so lautet der letzte Eintrag auf dem Spendenbarometer in der Liebfrauenkirche. Doch obwohl die Zahl von gestern Morgen stammt, ist sie schon wieder überholt. 107800 Euro seien inzwischen für die Sanierung der Kirche zusammen gekommen, sagt Pfarrer Dr. Klaus Winterkamp. Die 100000-Marke ist demnach schon vor Weihnachten geknackt. „Äußerst erfreulich“, sei das, sagt der Pfarrer. Die Finanzierung des ersten Bauabschnitts, der Anfang Januar starten soll, ist damit gesichert. Wie berichtet, soll die Liebfrauenkirche bis 2010 für insgesamt 1,1 Millionen Euro saniert werden. 500000 Euro davon muss die Gemeinde über Spenden selbst aufbringen.

Zunächst sollen nach Neujahr die Beleuchtungs- und Elektroinstallationen erneuert und der Hochaltar von der Seitenkapelle wieder an seinen alten Platz im Altarraum versetzt werden. 303000 Euro wird das kosten – 100000 Euro kommen vom Bistum, 120000 Euro hat die Gemeinde an Eigenmitteln, den Rest nimmt sie aus dem Spendentopf. „Die Reaktionen auf die geplante Rückversetzung des Hochaltars sind durchweg positiv“, sagt Winterkamp. Vor allem ältere Gemeindemitglieder hätten 1968, als der Hochaltar in das Seitenschiff gebracht wurde, „ein Stück Heimat und Kindheit verloren“, das sie jetzt wiederbekämen, so Winterkamp. „Ganz viele Paare haben vor dem Hochaltar geheiratet.“ Sie seien durch ihre persönliche Biographie mit dem Barockaltar verbunden. Schon Pfingsten will Winterkamp die Messe wieder vor dem Hochaltar feiern.

Doch danach stehen noch drei weitere Bauabschnitte an. Unter anderem muss der Innenanstrich dringend erneuert werden und die Orgel braucht eine Reparatur. 2010, wenn die Liebfrauenkirche 700-jähriges Bestehen feiert, soll alles fertig sein. Bis dahin braucht die Gemeinde noch weitere 400000 Euro an Spenden. Drei Benefizkonzerte sollen in den nächsten drei Monaten helfen, weiteres Geld zu sammeln – unter anderem ein Auftritt des Ensembles „Bach, Blech und Blues“ am 25. April, für das es jetzt bereits Karten gibt.

Außerdem verkauft die Gemeinde an einem Stand auf dem Weihnachtsmarkt Steine aus dem Westgiebel von 1792. Die Mauer war im November abgetragen worden. 17,92 Euro sollen die Steine kosten. „Die sind doppelt gebrannt“, sagt Pfarrer Winterkamp, „einmal bei der Herstellung und das zweite Mal im Krieg.“ Auch Handtücher mit dem Schriftzug des „Projekts Liebfrauenkirche“ gibt es am Stand.

Wer spendet, bekommt eine Urkunde und eine Spendenquittung. „Langfristig sollen alle Spender, die das wünschen, namentlich in der Kirche erwähnt werden.“

Staubschutzwand : Während des ersten Bauabschnitts wird in der Kirche eine Staubschutzwand eingezogen, so dass nur noch ein Teil des Gotteshauses für Messen genutzt werden kann. „Bei großen Beerdigungen ab 120 Personen müssen wir dann auf die Christuskirche ausweichen“, so Pfarrer Dr. Klaus Winterkamp.