Rückkehr des Barockaltars

VON RENATE WITTELER
Die Liebfrauenkirche soll bis zum Jubiläumsjahr 2010 für 1,1 Millionen Euro saniert werden. Der alte Hochaltar kommt wieder ins Hauptschiff. Er und ein neuer Anstrich sollen der Kirche ihren sakralen Charakter wiedergeben.

BOCHOLT Was 1968/69 mit der Liebfrauenkirche geschah, ist für Pfarrer Dr. Klaus Winterkamp eine „eklatante Missinterpretation“ des Zweiten Vatikanischen Konzils und aus kunsthistorischer Sicht „schlichtweg eine Katastrophe“: Der barocke Hochaltar – der Blickfang der Kirche – wurde in die Nebenkapelle verbannt und die Emporen abgerissen. Der Kirchraum, der sich seitdem optisch in die Breite zieht, verlor viel von seinem sakralen Charakter. Jetzt, im Zuge einer umfangreichen Renovierung der Kirche, soll der Hochaltar wieder seinen alten Platz bekommen. 2010, wenn die Liebfrauenkirche 700 Jahre alt wird, soll sie in neuem Glanz erstrahlen – einem Glanz, der ihrem barocken Charakter entspricht. 1,1 Millionen Euro soll das Sanierungs-Projekt kosten, 500000 Euro an Spenden werden noch benötigt.

Am teuersten sei die Einrüstung und der längst fällige Anstrich des Kirchenraums, erklärt Winterkamp. Das für den Barock typische Gelb und Weiß werde bleiben, doch der Gelbton solle „nicht ganz so platt und massiv“ sein. Verschiedene Gelbtöne – möglicherweise auch ein farblich zum Altar passender Streifen Rostbraun – seien zur Hervorhebung der Gesimse, Pilaster und Sockel geplant. Eine vor zwei Jahren aus Mitgliedern des Kirchenvorstands und des Pfarrgemeinderats gebildete Kunstkommission habe sich extra Anregungen in einer vergleichbaren Kirche in Haren an der Ems geholt. „Da haben wir gesehen, was man allein mit verschiedenen Gelbtönen und einer Beleuchtung herausholen kann“, sagt Winterkamp.

Doch gestrichen werde erst in der letzten Bauphase 2009/2010. Im kommenden Januar – nach dem Dreikönigstag – würden zunächst Arbeiten erledigt, die „für das Auge erst mal nicht sichtbar sind“: die Instandsetzung der Fußbodenheizung und Vorbereitungen für die neue Beleuchtung. Für die Chorraum-Erneuerung soll zwischen den beiden ersten Pfeilern eine provisorische Zwischenwand gezogen werden, so dass in der Kirche weiter Messen – zumindest am Sonntag – gehalten werden können.

Pfingsten soll dann schon vor dem versetzten Hochaltar gefeiert werden. Dieser wird anschließend jedoch wieder staubsicher verpackt, denn Bauphasen zwei und drei folgen: die Sanierung der Fenster, die eine Schutzverglasung erhalten sollen, die Wärmedämmung der Querhaus-Decke sowie die Orgel-Reparatur und die Schaffung einer zum barocken Raum passenden „Windfangzone“ als Vorraum zu den Eingängen im Süden.

Und wenn die Liebfrauen-Gemeinde es nicht schafft, 500000 Euro an Spenden zu sammeln? „Dann specken wir an bestimmten Ecken ab“, sagt Winterkamp. Der ebenfalls vorgesehene Anstrich der Bänke, die Orgel-Reparatur und die Windfangzone etwa könnten wegfallen. Das Minimalprogramm bestehe aus der Versetzung des Hochaltars mit Neugestaltung des Chorraums sowie dem Innenanstrich.

 

 

Der Hochaltar

VON RENATE WITTELER

BOCHOLT (wit) Der über 200 Jahre alte Barock-Altar, der derzeit in der Nebenkapelle von Liebfrauen steht, stammt eigentlich aus der St.-Georg-Kirche. Erst als diese im 19. Jahrhundert umgestaltet wurde, kam er nach Liebfrauen. Nur das Hauptgemälde des Altars, ein Kreuzigungsbild von Hermann Veltmann, blieb in der Georgskirche. In den Altar eingesetzt wurde dafür „Die unbefleckte Empfängnis“ aus dem Vorgängeraltar von Liebfrauen, der wahrscheinlich aus dem aufgelösten „Weißen Stift“ – einem weltlichen, adeligen Damenstift – stammt.

 

Liebfrauen bittet um Spenden

VON RENATE WITTELER

BOCHOLT (wit) Eine halbe Million Euro fehlen der Gemeinde Liebfrauen noch, um ihr Projekt realisieren zu können. „Wir hoffen auf Spenden über Bocholt hinaus“, sagt Pfarrer Dr. Klaus Winterkamp. Immerhin gehe es um die zweitälteste Kirche der Stadt, die auch von kunsthistorischer Bedeutung sei. Ein siebenköpfiger Spenden-Akquisitionskreis, dem auch der Unternehmer Franz Borgers angehört, wirbt für das Projekt. „Patenschaften“ für Kirchenfenster und Kunstwerke werden angeboten. Wer die Restaurierungskosten übernimmt, dessen Name wird später am Objekt erwähnt. Spendenwillige können auch Daueraufträge einrichten. Winterkamp: „Wenn jeder Gottesdienstbesucher per Dauerauftrag zehn Euro pro Monat überweisen würde, hätten wir das Geld 2010 zusammen.“

Spenden können überwiesen werden auf das Konto 157628 bei der Stadtsparkasse (BLZ 42850035), das Konto 35270826 bei der Sparkasse Westmünsterland (BLZ 40154530) sowie das Konto 30650101 bei der Volksbank Bocholt (BLZ 42860003).