BBV: Ungewohnte Klänge

Ungewohnte Klänge mit Windspiel, Orgel und Geige

BOCHOLT. "Contemporaneo" heißt "gleichzeitig". Ein Konzert, in dem gleichzeitig Barockmusik, Klassik und zeitgenössische Werke zu hören waren, gab das "Trio contemporaneo" in der Liebfrauenkirche. Aber nicht nur das Programm war sehr kontrastreich.

Wie der Name, war auch die Besetzung des Ensembles ungewöhnlich. Mit der moldawischen Organistin Tamara Buslova, dem Geiger und Bratschisten Benjamin Nachbar und Günther Wiesemann, der sich besonders als Komponist, Organist und Perkussionist einen Namen gemacht hat, standen internationale Preisträger auf der Bühne, deren Mixtur aus verschiedenen Musikepochen durchaus belebend wirkte.

Die Sonate Nr. 6 E-Dur von Georg Friedrich Händel und die Sonate Didone abbandonata von Giuseppe Tartini für Violine und Orgel muteten teils träumerisch, teils melancholisch an. Die hervorragende Interpretation der Solisten, ob beim immer wieder Akzente setzenden Orgelspiel oder dem zarten Anstrich des Geigenvirtuosen, bescherte den Besuchern einen Hörgenuss vom Feinsten.

Glanzstück des Abends aber war Paganinis "Thema con variazione". Nachbar überzeugte hier mit seiner brillanten Spieltechnik und demonstrierte hervorragend die klanglichen Möglichkeiten seiner Viola. Mit einem Windspiel unterstrich Günther Wiesemann die zarten Töne.

Auf einem Tisch neben der Orgel waren Schlaginstrumente wie Gong, Handtrommel, Klangschale, Triangel und Windspiel aufgebaut. Zum Einsatz kamen die Orffschen Instrumente bei Wiesemanns Komposition "La rotonda, Kehrtrichtung". Etwas anstrengend und durchaus gewöhnungsbedürftig erklang die zeitgenössische Musik. Viele Besucher nahmen die neue Hörerfahrung jedoch positiv auf und entspannten sich beim Zusammenspiel von Orgel, Violine und Schlaginstrumenten.

Nach Johann Christian Bachs Konzert für Viola und Orchester, einem Wechsel gefällig beschwingter, dann traurig, getragener Weisen mit einem am Ende temperamentvollen Ausklang mit Viola und Orgel applaudierten die Besucher begeistert. Die Zugabe "Lichtstück", eine bekannte Komposition Wiesemanns, zeigte noch einmal die Klangvielfalt der Perkussion-Instrumente.

Gudrun Schröck im BBV vom 30.10.2012