Der Kirchenchor Liebfrauen im hohen Norden

Eine Fünf-Tages-Tour in die Umgebung von Hamburg unternahm Mitte September der Kirchenchor Liebfrauen. Und dabei verwöhnte nicht nur die Sonne die Sängerinnen und Sänger unermüdlich mit ihrem verschwenderischen Schein, auch so manche touristische Attraktion hinterließ bei den Reiseteilnehmern bleibende Eindrücke.

Schon während der Anreise sorgte ein Zwischenstop in Papenburg mit einer Führung durch die dortige Meyer-Werft für die ersten Aha-Erlebnisse. Hautnah erhielt man dort detaillierte Einblicke in die hochspezialisierte Fertigung gigantischer Kreuzfahrtschiffe, und die eine oder der andere Reiselustige dürfte in Gedanken schon einmal die Eckpunkte der nächsten Urlaubsreise abgesteckt haben, natürlich nicht, ohne die Träume vom Kreuzfahrt-Luxus vorher mit den Realitäten des eigenen Kontostandes abgeglichen zu haben. Einen anschaulichen Eindruck von den riesigen Ausmaßen dieser Luxusliner bekam man dadurch, daß vor der Werfthalle zufällig gerade ein fast fertiges Exemplar in voller Größe bestaunt werden konnte.

Nach einem wohlschmeckenden Mittagessen wurde dann die Weiterfahrt angetreten, wobei die bei der Besichtigung gesammelten Eindrücke für reichlichen Gesprächsstoff sorgten, so daß die restliche Fahrzeit fast wie im Flug verging. Reiseziel war die Kreisstadt Stade, 45 km vor Hamburg an der Unterelbe gelegen, wo der Chor komfortable Unterkunft im Parkhotel Stader Hof bezog.

Der zweite Tag galt der Erkundung der malerischen Altstadt Stades. Erfahrene Stadtführer leiteten den Chor in zwei Gruppen zu den Sehenswürdigkeiten der Stadt, vorbei an wunderschön restaurierten Fachwerkhäusern, einem Historischen Rathaus, der Bilderbuchkulisse des Fischmarktes mit altem Hansehafen, barocken Kirchen mit wertvollen historischen Orgeln, und unternahmen so einen Streifzug durch die wechselvolle, über 1000jährige Stadtgeschichte.

Am Nachmittag ging die Fahrt dann zum erstenmal in Richtung Hamburg, vorbei am Containerhafen und durch den Elbtunnel, und im Bus konnte man erste Eindrücke von den Dimensionen der Metropole bekommen. Ziel war das Schulauer Fährhaus in Wedel mit der weltbekannten Schiffsbegrüßungsanlage "Willkomm-Höft". Hier wird jedes auf der Elbe vorbeifahrende Schiff begrüßt und verabschiedet - mit der passenden Nationalhymne und einem entsprechenden Flaggensignal.

Abends war der Besuch des Musicals "Der König der Löwen" gebucht. Von den Landungsbrücken ging es per "Wassertaxi" auf die andere Elbseite zum Musicaltheater im Hamburger Freihafen, wo den Besuchern im mehr als 2.000 Zuschauer fassenden Theatersaal eine zwar je nach Sitzplatz einigermaßen laute, jedoch optisch wie akustisch faszinierende musikalische Darstellung geboten wurde. Vor dem Rücktransport mit der Fähre über die Elbe wurde man mit einem spektakulären Blick auf das beleuchtete nächtliche Panorama Hamburgs belohnt.

Am nächsten Tag wurde dann Hamburg ein wenig näher unter die Lupe genommen und ein Stadtführer lotste Busfahrer samt Reisegruppe zu allem, was des Touristen Herz begehrt - ein wahres Kontrastprogramm vom Hafen über St. Pauli, Reeperbahn, Davidswache bis hin zu Kramer-Witwen-Wohnung und Hamburger Michel, von instandbesetzten Häusern über heruntergekommene Stadtteile bis hin zu unerschwinglichen Luxusvillen und Prachtbauten. Dabei ließ er in seiner launigen Art keine Schlüpfrigkeit links liegen und sorgte so im Bus für manchen Lacher.

Nachdem man schon meinte, alles gesehen zu haben, schloß sich eine Hafenrundfahrt an, bei der man wiederum neue und ganz andere Eindrücke von Hamburg, diesmal von der Wasserseite her, bekommen konnte. Die Barkasse schaukelte durch Speicherstadt, verschiedene Hafenanlagen und die neu entstehende HafenCity, wobei der Bootsführer durch seine kabarettistische Moderation in typisch hanseatischer Mundart bleibenden Eindruck hinterließ.

Ruhiger und beschaulicher, jedoch keinesfalls weniger erlebnisreich wurde der vorletzte Tag gestaltet. Es ging auf eine geführte Rundfahrt durchs Alte Land, das größte zusammenhängende Obstanbaugebiet Nordeuropas mit über 10 Millionen Obstbäumen. Deichspaziergang, Museums- und Kirchenbesichtigung, Fahrt durch ein schier endloses Meer von Apfelbäumen, vorbei an reetgedeckten Altländer Bauernhäusern mit typischem Buntmauerwerk, Besichtigung eines Obsthofes, Treckerfahrt in Apfelkisten durch die Obstplantagen, das waren einige von vielen Programmpunkten.

Aufmerksames Interesse fand auch die Erklärung der original Altländer Tracht, mit der sich die Fremdenführerin geschmückt hatte - zum großen Bedauern einiger anwesender Herren wurden allzu intime Details der Wäsche dabei leider nur in der Theorie abgehandelt. Als nicht eingeplantes Spontan-Event zog nach der Rückkehr nach Stade dann noch eine ausgelassene Truppe einheimischer Mädels, einen "Jungfrauenabschied" feiernd, durch den Bus, und die Braut in spe bekam natürlich auch ein Ständchen dargeboten.

Bevor am letzten Tag die Heimreise angetreten werden mußte, besuchte der Kirchenchor den Sonntagsgottesdienst in der siebeneckigen Heilig-Geist-Kirche, der einzigen katholischen Kirche in Stade, und gestaltete diesen auch musikalisch mit. Ein ausgesprochen herzlicher Empfang in der Gemeinde mit anschließendem Kaffeetrinken und sogar einem Schnäpschen aus den Beständen des dortigen Pastors beeindruckte die Sängerinnen und Sänger.

Ein letzter Bummel durch Stade folgte, und kurz nach Mittag machte sich die Gruppe, mit vielen neuen Eindrücken ausgestattet, auf die Reise zurück nach Bocholt. Hier fand dann am Abend eine wie immer ausgezeichnet organisierte, mit bestem Wetter, üppiger Verpflegung, fröhlicher Geselligkeit, netten Begegnungen, viel Gesang und ausgelassener Stimmung der Mitreisenden einhergehende Chorfahrt ihren Abschluß.